All Zombies Must Die! (Xbox Live Arcade & PlayStation Network) im Test

Spiele, in denen Horden von Zombies förmlich darum betteln mit erweiterbaren Waffen im Dutzend platt gemacht zu werden gibt es nicht erst seit diesem Titel. Die richtigen Teilnehmer vorrausgesetzt, wäre eine Trinkspiel-Quizzrunde “Zombieshooter von A-Z” sicherlich eine der leichteren und somit trockeneren Übungen. Ob der neuste Genrevertreter, “All Zombies Must Die!” (AZMD!), der seit wenigen Tagen über den Xbox Live Marktplatz (800 MS Points) und das PlayStation Network (9,99€) zu haben ist, eine echte Bereicherung darstellt oder in der Masse bereits erhältlicher Spiele untergeht, erfahr Ihr in diesem Test.

Als mich die ersten Informationen zum Dualstick-Shooter “All Zombies Must Die” (AZMD!) erreichten, war trotz des bereits recht gut bedienten Genres meine Neugierde ein Stück weit geweckt. Denn Zombies gehen, genau wie Einhörner und Mett(-brötchen) eigentlich immer und kommen nie wirklich aus der Mode. Übersättigung sieht anders aus. Noch heute erinnere ich mich gerne an die diversen “Zombies (at my Neighbours)” Koop-Sessions mit einem Kumpel auf dem Super NES. Selbst nach dem 10. Spieldurchlauf lockte uns das Spiel dank seines spaßigen Koop-Multiplayermodus, dem durchdachten Leveldesign und der quietschbunten, fast niedlichen, Grafik immer wieder vor die kleine Fernsehröhre meines Jugendzimmers. Da “All Zombies Must Die!” eben diesen quietschbunten Anstrich besitzt und mit einem explizit lokal nutzbaren Koop-Modus für 4 Spieler wirbt, führte für mich kein Weg an Deadhill, dem Hauptaustragungsort der Zombieseuche, vorbei. Schließlich haben die Entwickler von doublesix schon einiges an Können mit ihrem Zombie-Erstlingswerk “Burn Zombie Burn” (PSN & PC) bewiesen.

Das Storybeiwerk trotz kaum vorhandener Spoilergründe mal ausser Acht gelassen, schließlich geht es hier rein um das spaßige Abschlachten von Untoten, stürze ich mich mit einem Freund direkt ins Spiel. Neben den Hauptprotagonisten: dem Videospielefan Jack, seiner zickigen Verflossenen Rachel, dem Nerd Brian und dem Jamaika liebenden Alien Luxo stehen Mitspielern (aus Story- und Leveldesigngründen) diverse weitere Charaktere zur Verfügung. Ein kurzes In-Game Tutorial später werden wir nach dem ersten Zombiekill auf das im Optionsmenue deaktivierbare Friendlyfire aufmerksam gemacht. Da die Charaktere alle mit einer unterschiedlichen Primärwaffe unterwegs sind (die zu einem späteren Zeitpunkt nicht nur aufgemotzt, sondern auch ausgewechselt werden darf), gehen je nach Waffentyp im Eifer des Gefechts schnell einige Schüsse daneben. Die Designentscheidung dem Spieler hier die freie Wahl zu lassen, fiel uns äußerst positiv auf. Schlussendlich hat man eh schon alle Hände voll mit den, bis auf wenige Ausnahmen, endlos spawnenden Zombies zu tun. Eine unachtsame Sekunde des Partners verwandelt diesen an Ort und Stelle in einen Grabstein, läßt aber die Möglichkeit offen durch einen Mitspieler beliebig wiederbelebt zu werden. Da die Reanimation auf Knopfdruck einige Sekunden Stillstand in der Nähe des Patienten in Anspruch nimmt, sollte das Umfeld erst bereinigt oder die hirnlose Meute durch einen weiteren Mitspieler in eine andere Richtung gelockt werden.  Ein spaßiges und im späteren Spielverlauf sehr taktisches Element, dass exakte Absprachen untereinander erfordert.

Die Steuerung geht nach etwas Eingewöhnungszeit sehr gut und präzise von der Hand. Während mit dem linken Analogstick gelenkt wird, dient der rechte Stick zum Ausrichten der Waffe. Dual-Stick-Shooter untypisch werden Schüsse nicht automatisch mittels Bewegung des rechten Sticks, sondern durch einen zusätzlich notwendigen Knopfdruck auf den rechten Trigger ausgelöst. Bei Flaute im Munitionssack, löst der Trigger einen Schlag aus, der später auch effektvoll mit weiteren Gegenständen ausgeführt werden darf. Da die Untoten mittels Schlägen und Schüssen, je nach Waffe und Abstand, teils mehrfach getroffen werden wollen, gibt eine kleine Lebensanzeige Auskunft über den Fortschritt des Ablebens. Apropos Ableben, trotz des sehr niedlichen grafischen Anstrichs, haben die Designer der Doublesix Studios nicht am virtuellen Blut gespart. Nach kurzer Orientierungsphase auf dem Marktplatzlevel und dem spaßigen Abschlachten einiger Horden, begaben wir uns auf Erkundungstour durchs restliche Level. Die recht weitläufigen Bereiche bieten genug Sackgassen, Einengungen und sonstige Hindernisse, durch die ihr vor den Horden flüchten könnt. Schnell entwickelt sich in jedem Bereich so eine Art bevorzugte Route, über die Ihr Rückwärtslaufend und wild um Euch herum ballernd in regelmäßigen Abständen über Waffen lauft, um den kontinuirlichen Bleinachschub sicherzustellen. Auch ein taktisches Verschanzen ist möglich, da die Horden von energieauffüllenden Burgern über später einsetzbares Geld bis hin zu Munitionskisten einiges an Loot liegen lassen und die Versorgungskette so kaum Gefahr läuft einzureissen.

Nach einigen weiteren Runden um den Springbrunnen des Marktplatzlevels entdeckten wir eine grün leuchtende Absperrung, die von einer sprechenden Kamera bewacht wurde. Die in jedem Abschnitt des Spiels antreffbaren Wächter fordern ihren ganz eigenen Wegezoll, bevor der Zugang gewährt und der dahinter liegende, nächste Abschnitt erkundet werden darf. Die teils wechselnden Aufgaben reichen von: “Töte X Zombies (im Zeitaum Y)”, über “Töte X spezielle Zombies (mit Waffe Y)” bis hin zu “Sammle X Gegenstände”. Ab diesem Punkt wird der Titel, wenig überraschend, sehr repitativ. Die neuen Bereiche (Polizeistation, Wohnsiedlung, Brücke, …) bieten zwar alle eine gewisse optische Abwechslung und ein sehr ansprechendes Design, wollen aber nach dem stets gleich bleibendem Muster bearbeitet und gemeistert werden. Mit neuen Bereichen eingeführte Gegenstände, wie die für dieses Genre obligatorische Smartbombe zum (Auf-)lösen auswegloser Situationen, oder einem aufladbaren Cricketschläger, sorgen zwar zeitweise für willkomene Abwechslung, doch so langsam beschleicht einen das “ist es das schon gewesen” Gefühl eines nicht enden wollenden Déjà-vu. Wer an dieser Stelle bereits die virtuelle Flinte ins Korn wirft, läuft Gefahr das eigentliche Spiel zu verpassen, denn wir befinden uns, streng genommen, eigentlich noch im Tutorial (wie ihr nach einer knappen Stunde Spielzeit feststellen werdet). Blau leuchtende Objekte wie Autos, Getränkeautomaten, Mülltonnen und Schränke, verstecken neben Sammelobjekten für Erfolge (Entwicklerkarten), Gesundheits- und Munitionsobjekten auch diverse temporäre Status-Buffs wie doppelte Geschwindigkeit, doppelte Zerstörungskraft und doppelte XP.

XP? Richtig gelesen! Nachdem ihr Euch durch eine handvoll Level (und wieder zurück) gekämpft habt, nimmt der Shooter erst richtig an Fahrt auf. Ihr erhaltet nach der Bereinigung des Levels im namensgebenden “All Zombies Must Die!” Modius Eure erste Basis in der Polizeistation, in der Ihr nach und nach nicht nur Eure eigenen Werte wie Gesundheit, Kraft und Schnelligkeit mit den verdienten Erfahrungspunkten aufbessern könnt, sondern auch durch das Kombinieren von Loot spezieller Gegner weitere, stärkere Waffen mit (Status-)Effekten bauen könnt, die im weiteren Verlauf des Spiels äusserst wichtig werden. Mit diesen Neuerungen erblicken häppchenweise immer mehr spezielle Untote das Licht der Welt. So könnt Ihr die Meute dank eines aufgesammelten Feuerzeugs mit Eurem Cricketschläger in Brand setzen (oder einfach in Richtung brennender Objekte locken), um anschliessend zu beobachten wie sich das Feuer auf andere Zombies mittels Berührung überträgt. Letztere hinterlassen dann das für weitere Upgrades notwendige “Feuerholz” (innerhalb bestimmter Bereiche), nachdem eine gewisse Anzahl dieser Gegnerspezies beseitigt wurde. Das taktische Element wiederholt sich mittels Berührung auslösbarer Polizeifahrzeugsirenen und radioaktiven Pfützen, die auch etwas größere Gegner zum Vorschein bringen. Wer entsprechende Gegner und freischaltbare Gegenstände entdeckt, ist gut beraten die Situation so richtig auszukosten und für spätere Upgrades reichlich spezielles Loot auf Vorrat zu sammeln. Wer bis zu diesem Punkt im Spiel durchgehalten hat, und sich nicht vom vermeintlich repitativen Spielsystem hat abschrecken lassen, wird mit reichlich Spielspaß durch den taktischen Tiefgang dieser neuen Komponenten belohnt. Auf diese Art und Weise freischaltbare Waffen und Level bringen immer wieder neues (bis hin zur spaßigen Motorsäge) zum Vorschein.

Fazit:
Den Entwicklern von “All Zombies Must Die!” kann sicherlich der Vorwurf gemacht werden für einen etwas zu langatmigen Spielaufbau gesorgt zu haben. Die im weiteren Spielverlauf freischaltbaren Elemente hätten meinem Geschmack nach ruhig früher oder gar teilweise von Anfang an schon eingeführt werden können. Wer sich durch die erste, ziemlich gleichbleibende und sehr lineare Stunde des Spiels kämpft, wird mit dem tollen Gesamtkonzept belohnt, daß mit seinen Neuerungen einige Genrevertreter sprichwörtlich alt aussehen lässt. Etappenweise erfordert AZMD! insbesondere im Singple-Player einen recht hohen Frustfaktor. Ein virtuelles Ableben wirft Euch zwar immer wieder an den Anfang des Bereichs zurück, doch habe ich im späteren Verlauf des Spiels recht viele Anläufe benötigt, um einige knifflige Stellen zu überwinden. Da Optik , Umfang und Spielspaß stimmen und der Preis des Spiels mehr als gerechtfertigt ist, erteilen wir Freunden des Genres eine ganz klare Empfehlung zum Anspielen. Immerhin steht eine Demo zur Verfügung, die vor einem Kauf einen ersten Eindruck ermöglicht. Wer sich auf der Suche nach einem kurzweiligen, lokalen Koop-Spaß mit bis zu drei Freunden befindet und auf Dualstick Shooter steht, schlägt bedenkenlos zu, denn der erste DLC wird sicherlich bald angekündigt!  

Trailer:

Links:
All Zombies Must Die! Webseite
All Zombies Must Die! auf dem Xbox Live Marktplatz
All Zombies Must Die! im PlayStation Network Store
All Zombies Must Die! bei Facebook

Dieser Test wurde durch ein von Square Enix zur Verfügung gestelltes Testmuster ermöglicht, für welches wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken möchte.

Ich bin Jan, eines der Gesichter hinter KonsolenDealz.de. Zusammen mit Tom habe ich die Seite im Dezember 2009 gestartet und begebe mich seither jeden Tag für euch auf die Suche nach den besten Deals und Schnäppchen rund um unser Lieblingshobby.

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