3DS: Pilotwings Resort im Test

“Pilotwings” ist einer der wenigen Titel, der trotz seines bald 20 jährigen Bestehens, nur recht spärlich mit Fortsetzungen von Big N bedacht wurde. Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen Erstkontakt mit dem Spiel auf meinem geliebten Super Nintendo im Jahr 1993 und an die ersten beiden Mission auf dem Weg zur Basis-Fluglizenz. Sekunden nach dem Spielstart fand ich mich mitten in der Luft in einem roten Doppeldecker wieder und wurde, geleitet von grünen Luftballons, auf den kontrollierten Landeanflug geschickt.

Waren Neigungswinkel und Geschwindigkeit in perfekter Symbiose, wurde ich nach einer ordentlich Landung mit voller Punktzahl belohnt und durfte die noch benötigten Punkte für meine Lizenz als im freien Fall durch Luftballonringe tauchender Falschirmspringer erspielen. Was damals mittels “Mode 7” Effekt eine kleine technische Revolution gewesen ist, dürfte heute nur die ärgsten Retrofans grafisch begeistern. Im Vordergrund stand bei “Pilotwings” stets der sehr innovative Spielspaß. Als Fallschirmspringer auf dem Weg durch einen Luftparcours ein Auge auf das schnell fallende Höhenmeter zu halten, im richtigen Moment den Schirm auszulösen und Sekunden später ordentlich auf einer Landevorrichtung mit Dartboardanstrich zu landen, konnte schnell und insbesondere längerfristig begeistern.

Das gut funktionierende Konzept erhielt knapp 4 Jahre später eine Fortsetzung auf dem Nintendo 64, die zwar ebenfalls sehr gut funktionierte und in einem neuen Anstrich erstrahlte, im Grunde jedoch nicht wirklich etwas neues zu bieten hatte. Dies ändert sich nun mit dem erscheinen von “Pilotwings Resort” auf dem Nintendo 3DS. Ob sich die Wartezeit auf ein echtes 3D-fähiges Gerät für den Klassiker gelohnt hat, erfahrt Ihr in unserem Test.

Nintendo hat es schon immer geliebt sein eigenes, mittlerweile gar nicht mehr so kleines Universum kontinuierlich auszubauen und bereits etabliertes durch geschickte Querverweise immer tiefer in den Köpfen der Fans zu verankern. Während des ersten Rundflugs über Wuhu Island, dem Schauplatz von “Pilotwings Resort“, werden Wii-Konsoleros und Besitzer der Spiele “Wii Sports Resort” und “Wii Fit (Plus) sich schnell zu orientieren wissen. Schließlich haben letztgenannte schon die ein oder andere sportliche Aktivität an diesem Ort absolviert.

Direkt nach Eurer Ankunft und dem Unterzeichnen Eurer Fluglizenz per Stylus, könnt Ihr Euch zwischen Freiflug- und Missionsmodus auf der putzigen Insel entscheiden. Der Missionsmodus unterteilt sich in die nacheinander freischaltbaren Klassen “Anfänger“, “Bronze”, “Silber“, “Gold” und “Platin“, die jeweils mehrere Drachenflieger-, Raketengurt- und Flugzeugmissionen beheimaten. Jeder fängt mal klein an, so drehe ich notgedrungen meine ersten Runden in der “Anfänger”-Klasse, in der Hoffnung ein paar Sterne für spätere Lizenzklassen freischalten zu können.

Flugzeug

Die erste Lizenz hat jeweils zwei Missionen je Fluggerät zu bieten. Ich entscheide mich für die Flugzeugmission und starte nach der Lektüre des Infobildschirms, der mir neben den Missionszielen auch die Steuerung erläutert, mit einem Wasserflugzeug vor der Küste Wuhu Islands. Mit zunehmender Geschwindigkeit erhebt sich der rote Flieger langsam vom Wasser und steuert direkt auf die aus den Vorgängern bekannten Luftballons zu, die meinen Weg zum Ziel markieren. Kurz bevor es zur punktebringenden Kollision mit dem ersten Ballon kommt, öffnet sich dieser zu einem Kreis und sorgt dank des 3D-Effekts für einen weit geöffneten Mund bei mir.

Der nächste wegweisende Ballon liegt ein Stück höher, ich aktiviere mit einem kurzen Druck auf den “A-Knopf” den Turbo und korrigiere meine Flugbahn per Schiebepad. Die Steuerung funktioniert sehr direkt und gibt mir von Sekunde eins an das Gefühl Herr der Lage zu sein. Wer keine klassische Flugzeugsteuerung mag, darf per Einstellung im Optionsmenü die Achse invertieren. Ich ziehe meinen Flieger noch ein Stück höher über die sehr plastisch wirkende Küste der Insel und steuere mit Schiebepad und leichtem Druck auf die rechte Schultertaste gekonnt in Seitenlage auf den nächsten zu durchfliegenden Ring zu, der nur knapp über einigen Bäumen darauf wartet in Punkte verwandelt zu werden.

Je näher ich der Insel und ihren schön modellierten Sehenswürdigkeiten komme, desto besser kommt der räumliche Tiefeneffekt zur Geltung. Ein paar Ringe und zig gefühlte Beinahekollisionen mit Bäumen unter mir später, steuere ich den letzten Ring nebem dem Schloss für den Zieleinlauf an. Die Szenarie wirkt insbesondere dank des 3D-Effekts so atemberaubend, dass die hilfreiche Karte auf dem unteren Bildschirm kaum von mir bemerkt wird – So muß sich 3D anfühlen! Im Ziel angekommen wird nach Zeit-, Spritverbrauch und eingesammelter Punkte abgerechnet. Ich erlange die volle Punktzahl und somit 3 von 3 möglichen Sternen und bewundere die Spitzenplatzierung meines Miis auf der bis eben noch jungfräulichen Highscoreliste. Da ich mir ein Bild von meinem ersten Flug in der malerischen machen möchte, sehe ich mir die zur Verfügung stehende Sofortwiederholung an und freue mich über die frei wählbare Kameraperspektive. Auch hier kommt die 3. Dimension atemberaubend zur Geltung.

Raktengurt

Als nächstes entscheide ich mich für meine erste Raketengurtmission auf Wuhu Island. Nachdem ich mich mit der Steuerung und den Missionzielen (2 Ballons zerstören) vertraut gemacht habe, finde ich mich auf einer Plattform im Hafenbecken der Insel wieder und schieße mit einem Druck auf den “A-Knopf” kerzengrade in die Höhe. So komme ich nicht weiter, denn der erste Ballon liegt noch ein ganzes Stück weit von mir entfernt im Herzen der Stadt und nicht direkt über mir. Mittels Schiebepad verändere ich den Winkel der Düsen meines Raketengurts und rase bei steigender Höhe auf den ersten großen Ballon zu. Schnell lerne ich, dass der Raktengurt ein gutes Zusammenspiel von Geschwindigkeit und richtigem Winkel erfordert. Ich balanciere beides aus und achte mit Argusaugen auf die Treibstoff- und Höhenanzeige.

Mein Augenmaß hat mich nicht im Stich gelassen, ich fliege direkt durch den mit abnehmender Distanz immer größer werdenden Ballon und kassiere die Punkte. Voller Freude über den ersten Volltreffer sind mein am Raketengut hängender Mii in Richtung Erdboden ab. Nach Wiedererlangen der Konzentration und einem erneuten Druck auf den für Schubkraft zuständigen “A-Knopf” gewinne ich neben dem Bowlingcenter der Insel wieder an Höhe und steuere auf den zweiten und letzten Ballon dieser Mission mit Vollgas zu.

Ich befürchte etwas zu schnell und leicht seitlich versetzt auf den Punktebringer zuzusteuern und nehme die Finger von Schiebepad und Schubkraftbutton. Von der Restgeschwindigkeit noch ein ganzes Stück weit nach vorne getragen, rette ich mein Alter-Ego in Mii-Form durch einen wohldosierten Schubstoß meiner Raketengurtdüsen, die ich per Aufwärtsbewegung des Schiebepads in Flugrichtung ausgerichtet habe. Eine im weiteren Verlauf des Spiels sehr wichtige Funktion, insbesondere wenn das rote “Bullseye” der Landeplattform für eine volle Punktzahl angesteuert werden soll. Einige wenige Kurskorrekturen später, lande ich im zweiten Ballon und beende auch dieses Level mit drei Sternen.

Drachenflieger

Motiviert, die für die nächste Lizenzklasse noch benötigten Sterne einzusammeln, wage ich mich an den Drachenflieger. Das rein durch thermische Kraft betriebene Vehikel hat die wohl überschaubarste Steuerung im Spiel, flößt mir aber, bedingt durch den fehlenden Motor, ordentlich Respekt ein. Die erste Mission, in der ich lediglich durch eine handvoll unterschiedlich hoch platzierte Ringe fliegen muss, ist schnell gemeistert. Der sanfte Einstieg nimmt mir die Angst vor dem Fluggerät und lehrt mich schnell den wichtigen Steig- und Sinkflug.

Spätere Missionen mit dem Drachen werden mir eine geschickt getimte Steuerung und den gekonnten Einsatz der auf der Insel platzierten Aufwinde abverlangen, ohne die ich schnell an Geschwindigkeit und Höhe verlieren würde. Apropos Geschwindigkeit: Der Drachenflieger kann nur mit viel Übung sicher und formschön gelandet werden. Bereits im Anflug auf die Landeplattform möchte die Höhe ordentlich abgeschätzt werden.

Ein zur Not mehrfacher und gut dosierter Druck auf den “B-Knopf” veranlasst mein Mii die Spitze des Drachens als Luftbremse zu nutzen. Nur wenn Geschwindkeit und Anflugwinkel stimmen, endet das Vorhaben bei gedrücktem “B-Knopf” nicht in einem Überschlag. Eine Landung im Bullseye der Vorrichtung wird so zur einfach zu erlernenden aber schwer zu meisternden Geduldsprobe – Übung macht ja bekanntlich Meister und Drachenflugmissionen werden euch noch reichlich begegnen.

Positiv:

  • 3 Fluggeräte, die im späteren Verlauf des Spiels in leicht abgewandelter Form zur Verfügung stehen
  • Abwechslungsreiche Missionen und Szenarien
  • 42 fordernde Level mit stetig steigendem Schwierigkeitsgrad
  • Motivierender Freiflugmodus auf Zeit mit viel “Sammelmaterial”
  • Massig freischaltbare Extras (Dioramen, Optionen für den Freiflugmodus) und Erfolge
  • Mehrere Mii unterstützte Spieleraccounts samt Highscoreliste
  • Toller 3D Effekt, der die Spielerfahrung gut unterstützt

Negativ:

  • Nur eine Insel, die recht schnell erkundet ist
  • Eine Möglichkeit Highscores online oder per StreetPass Funktion abzugleichen hätte nicht geschadet
  • Der Freiflug-Modus kann nur unter “Zeitdruck” absolviert werden
  • Kein klassischer Fallschirmsprung, wie bei den Vorgängern.

Fazit:

Pilotwings Resort” bietet den wohl derzeit besten 3D-Effekt auf Nintendos neuem Handheld. Der durchdachte Aufbau nach Lizenzklassen, die erst über die erspielten Sterne sukkeszive freigeschaltet werden wollen, schraubt nicht nur ordentlich an der eigenen Motivation, sondern unterstützt auch die Lernkurve. Die Grundlagen der drei Basisfluggeräte sitzen schon nach einigen Missionen, wollen aber stetig optimiert werden. Bereits nach wenigen Spielstunden sollte jede Klasse zugänglich sein. Das eigene Ego ließ zumindest mich mehrfach in die einzelnen Missionen zurückkehren, um die bestmögliche (Sterne-)Punktzahl zu ergattern (Wer alle Missionen mit 3 Sternen abschliesst, erhält Zugang zur Diamant-Klasse mit 3 weiteren Missionen). Selbst wenn dies gemeistert wurde, bieten die vielen freischaltbaren Extras im Freiflug-Modus auf Zeit ausreichend Grundlage für weitere spaßige Stunden.

Die einzelnen Missionen bieten einige Überraschungen. Mit dem Flugzeug ein Auto quer über die Insel (und durch Tunnel hindurch) zu verfolgen, während Ihr an ihm befestigte Luftballons auf der kurvenreichen Strecke abschießen müsst, ist nur eine der vielen Ideen, die die Entwickler haben einfließen lassen. Soviel Ideenreichtum macht den oftmals kritisierten Mangel an Fluggeräten fast wieder wett. Flugzeug, Raketengurt und Drachenflieger stehen im späteren Verlauf zwar in abgewandelter Form zu Verfügung, hätten meinem Geschmack nach gerne durch ein paar Fallschirmsprungmissionen, die mir bei den Vorgängern in besonders guter Erinnerung geblieben sind, ergänzt werden können. Eine für mich als Fan der Serie große Lücke, die auch die spaßige Flughörnchenanzug-Mission nicht ansatzweise schliessen kann.

Das Gesamtpaket und insbesondere die Optik des Launchtitels stimmt. Steuert Ihr innerhalb einer Mission auf die Sonne zu, werdet Ihr von einem Lensflare-Effekt über die Leistungsfähigkeit Eurer neuen Konsolen auf hübsche Art und Weise informiert. “Pilotwings Resort” gehört zweifelsohne in jede 3DS-Spielesammlung.

Trailer:

Link: Pilotwings Resort Webseite bei Nintendo
Link: Pilotwings Resort (3DS) bei Amazon

Dieser Test wurde durch ein von Nintendo of Europe zur Verfügung gestelltes Testmuster ermöglicht, für welches wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken möchte.

Ich bin Jan, eines der Gesichter hinter KonsolenDealz.de. Zusammen mit Tom habe ich die Seite im Dezember 2009 gestartet und begebe mich seither jeden Tag für euch auf die Suche nach den besten Deals und Schnäppchen rund um unser Lieblingshobby.

4 Comments
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  2. Reply
    Wochenrückblick 17/2011 1. Mai 2011 at 21:21

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  3. […] mich mit meinem ersten 3D-Spiel vor allem in technischer Hinsicht relativ schwer. Die Kollegen von Konsolendealz z.B. waren sehr beeindruckt und angetan vom 3D-Effekt. In meinem vorliegenden Testfall habe ich bis […]

  4. Reply
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